Typografie mit dem StarOffice Writer

Mal abgesehen von Werbezetteln heimischer Einzelhandesgeschäfte, auf denen 15 verschiedene Schriftfamilien verwendet werden und dem Leitspruch: „Weniger ist mehr“ ist glaube ich zum Thema Typografie noch etwas mehr zu sagen. In diesem Dokument geht es nicht um die Ausbildung zum Graphiker, sondern um den ganz normalen StarOffice/Windows Nutzer dem ich bei dem Thema „Ansehnliche und wiederverwendbaren Dokumente“ unterstützen möchte.

Zweitens: StarOffice Writer ist zwar kein DTP-Programm, jedoch kann man z.B. durch das Rahmenkonzept schöne Sachen gestalten.

Drittens: Es ist gar nicht so leicht in HTML eine DTP-Anleitung zu „setzen“ ich bitte um Nachsicht und Ratschläge.

Inhalt:

Gestaltungsrichtlinien

Grundregeln

Typografische Grundregeln

Typografische Kniffe mit StarOffice Writer

Wie setzt man was?

Namen von Sonderzeichen

Technisches rund um Fonts

Skalierbare und feste Fonts

Verschiedene Schriftformate TrueType- und Postscript Type 1 Schriften

Fonts in Windows95

Literatur:



Gestaltungsrichtlinien

Die hier angegebenen Regeln sind nicht vollständig, jedoch kann man sich aus der unten aufgeführten Literatur noch mehr Regeln und Strategien suchen.

Grundregeln

Typografische Grundregeln

Typografische Kniffe mit StarOffice Writer

Kerning

Bei StarOffice Writer ist das Auswerten der Kerningtabellen der Fonts standardmäßig ausgeschaltet. Man kann es unter Format|Zeichen Seite: Schrifteffekte einschalten. Verändert man die Absatzformatvorlage Standard entsprechend, so ist paarweises Kerning im gesamten Dokument eingeschaltet. Schaltet man paarweises Kerning in der Vorlage Überschrift ein, so werden in allen Überschriften die Kerninginformationen berücksichtigt. Je größer und auffälliger die Textteile sind, desto mehr Aufmerksamkeit sollte man deren Satz schenken. Da das Berechnen der Kerningpaare Zeit kostet, ist das aktivieren nur in Überschriften ein guter Kompromiss.

Halbe Leerzeichen

Werden für unter anderem für Datumsangaben, Abkürzungen und Zahlen benötigt:

Datum ganz ohne Leerzeichen
Datum mit halben Leerzeichen

„zum Beispiel“ mit ganzem Leerzeichen
„zum Beispiel“

10000 mit ganzem Leerzeichen
10000 mit halbem Leerzeichen

Halbe Leerzeichen kann man unter Format|Zeichen durch Hoch-/Tiefstellen eines Leerzeichens um 0% und relative Schriftgröße 50% erreichen. Außer in StarWriter 3.1 kann man dafür ein geschütztes Leerzeichen (<Strg>+<Leerzeichen>) verwenden, denn dies wird im Blocksatz nicht auseinander getrieben. Ansonsten kann man für ein halbes Leerzeichen auch das Zeichen Nr. 160 in der Windows-Zeichentabelle verwenden, für dieses sollte man dann eine relative Schriftgröße von 35% verwenden.

Um halbe Leerzeichen in den Text zu setzen kann man sich eine entsprechende Zeichenvorlage (nur StarWriter 4.0) definieren, ein einmal formatiertes „halbes Leerzeichen“ mit Copy&Paste kopieren oder das folgende Makro verwenden:

Sub InsHalbLeer
 'Wenn der Cursor auf Absatzende steht, füge noch ein Leerzeichen dahinter
 'damit man ohne Format|Standard weiterschreiben kann.
 IF ActiveModule.Name <> "StarOffice Writer" THEN
 MsgBox("InsHalbLeer können Sie nur innerhalb eines Textdokuments anwenden.",16,"Fehler")
 EXIT SUB
 ENDIF
 If Selection.IsEndOfPara Then
 Selection.Insert( Chr$(32) )
 Selection.GoLeft( 1, FALSE )
 i% = 2
 ELSE
 i% = 1
 EndIf
 'Nimm als "Leerzeichen" Chr(160), damit dieses nicht im Blocksatz auseinander gezogen wird.
 With Selection
 .Insert( Chr$(160) )
 .GoLeft( 1, TRUE )
 .Font.Escapement = 1
 .Font.RelativeSize = 35
 .GoRight( i%, FALSE )
 End With
End Sub

Sperren von Schrift

Text in Versalien oder Kapitälchen sollte leicht gesperrt werden, sofern man nicht einen entsprechenden Schriftschnitt zur Verfügung hat. Dies kann man unter Format|Zeichen Seite: Schrifteffekt unter Laufweite einstellen. Man sollte darauf achten, die Laufweite für die Leerschritte zwischen den Worten nicht mit zu vergrößern.

Wie setzt man was?

Abkürzungen

Bei mehrgliedrigen Abkürzungen (z. B.) setzt man bis auf den letzten Punkt jeweils hinter die Punkte halbe Leerzeichen.

An- und Abführungszeichen

Werden so wie in der Landessprache üblich gesetzt, also ein englischer Ausspruch in einem deutschen Text wird mit englischen An- und Abführungszeichen versehen.

Apostroph

Leerzeichen davor

Auslassungspunkte

Ellipse ist ein Zeichen und wird nicht durch Leerzeichen von dem abzukürzendem abgesetzt.

Bankkonten

12 452 323 halbe Leerzeichen

Bankleitzahlen

123 456 78 halbe Leerzeichen

Datumsangaben

Jeweils hinter die Punkte halbe Leerzeichen
DIN 5008 konforme Datumsformate sind:
1. Feb. 1999, 1. Februar 1999, 1999-02-01 oder 99-02-01
Zwischen die Bindestriche gehören keine Leerräume. Die Monatsnamen werden jeweils mit den ersten drei Buchstaben abgekürzt.

Doppelpunkt

Nur hinter dem Doppelpunkt kommt ein Leerzeichen.

Exponenten

24 ohne Zwischenraum

Klammern

(Klammer) ohne Zwischenraum

Maße, Gewichte

10,00 kg halbes Leerzeichen

Postfachnummer

1 23 46 halbe Leerzeichen

Prozentangaben

10 % halbes Leerzeichen (oder weniger Abstand)

Punkt (Satzende)

Nur hinter dem Punkt kommt ein Leerzeichen (das natürlich ausgeglichen werden darf).

Strich als Ersatz für „bis“

10–20 Halbgeviertstrich ohne Zwischenräume, bei Hausnummern kann auch der Divis verwendet werden.

Strich als Ersatz für „gegen“

Heim – Gast Halbgeviertstrich mit Zwischenräumen.

Telefonnummern

(01 90) 47 11 0-815 jeweils in Zweiergruppen von rechts durch halbe Leerzeichen abgesetzt. Nebenstelle mit dem Divis abtrennen.

Temperaturen

+ 22 °C zwischen + und 22 und zwischen 22 und ° ein halbe Leerzeichen (nicht zwischen ° und C)

Währungsangaben

10,— DM zwischen Geviertstrich und der Währungsangabe ein halbes Leerzeichen. Wird die Währungsangabe (10,–) weggelassen muß der Halbgeviertstrich verwendet werden.

Zahlen

10 000,00 nach jeder dritten Stelle vom Komma nach rechts ein halbes Leerzeichen

Zahlen und Text

2-Öltanks Divis ohne Zwischenraum

Zahlworte

12ter ohne Zwischenraum



Namen von Sonderzeichen

Diese Sonderzeichen sind in StarOffice Writer über Einfügen|Sonderzeichen erreichbar, ansonsten kann man sie durch drücken (und festhalten) der <Alt>-Taste und eintippen der Ziffernkombination auf dem Nummernblock (!) erreichen.

ASCII-doppeltes Anführungszeichen

<Alt>34

ASCII-einfaches Anführungszeichen

<Alt>39

Minute

<Alt>0162, Zeichensatz Symbol

Sekunde, Zoll

<Alt>0178, Zeichensatz Symbol

Apostroph, Auslassungszeichen

<Alt>0146

Akut (darf nicht alleine stehen)

(Zeichen auf Tastatur)

Gravis (darf nicht alleine stehen)

(Zeichen auf Tastatur)

Doppelte Anführungszeichen (deutsch)

<Alt>0132, <Alt>0147

Einfache Anführungszeichen (deutsch)

<Alt>0130, <Alt>0145

Doppelte Anführungszeichen (deutsch)

<Alt>0187, <Alt>0171

Einfache Anführungszeichen (deutsch)

<Alt>0155, <Alt>0139

Unterstrich

<Alt>95, (Zeichen auf Tastatur)

Divis

<Alt>45, (Zeichen auf Tastatur)

Minuszeichen

<Alt>45, Zeichensatz Symbol
<Alt>66, Zeichensatz StarOffice Math

Halbgeviertstrich

<Alt>0150

Geviertstrich

<Alt>0151

Ellipse (ist ein Zeichen)

<Alt>0133

Zirkumflex

<Alt>0136



Technisches rund um Fonts

Der textverarbeitende Mensch hat es neben seinem Pläsier, der Auswahl passender Schriftarten, auch mit mit verschiedenen Schriftformaten zu tun. Hier fallen Begriffe wie System-, Drucker-, Bildschirm-, Vektor-, TrueType-, Type 1- und Postscript-Schriften. Leider wirkt sich dieser Dschungel auch auf die Textverarbeitungserzeugnisse aus. Zum Beispiel: Nach monatelanger Arbeit zu Hause am Tintenstrahldrucker trägt man seine Diplomarbeit in die Uni, um einen 600 dpi Laserdrucker zu bemühen und dann stimmen weder Zeilen- noch Seitenumbrüchen obwohl alle notwendigen Schriften installiert sind.

Skalierbare und feste Fonts

Die Leute von Microsoft propagieren für ihr Windows-Betriebssystem die Verwendung von TrueType-Fonts und liefern gleich die Schriftfamilie Arial, Courier New und Times New Roman mit. Bei diesem Schriftformat kann man den Schriftgrad beliebig wählen auch krumme Größen wie 11,5 pt sind möglich. TrueType-Schriften sind also frei skalierbar.

Daneben gibt es noch die sogenannten Raster-Schriftarten wie MS Sans Serif oder System, die nur in bestimmten Schriftgraden (und deren vielfachen) vorliegen. Auch in manche Druckern sind Raster-Schriftarten eingebaut. Bei Raster-Schriftarten liegt jeder Buchstabe in unterschiedlichen Größen als Bitmap, also Punkt für Punkt vor. Diese Schriften können nicht sinnvoll vergrößert, gedreht usw. werden.

Gerade die starke Verbreitung von TrueType-Schriften in der Windows-Welt und deren freie Skalierbarkeit legt den Schluss nahe, das skalierbare Schriften festen Fonts überlegen sind. Das dies nicht so ist, hat folgenden Grund:

Bei skalierbaren Schriften sind alle Buchstaben sozusagen als Konstruktionsvorschrift gespeichert. Will man nun einen Satz in sagen wir 24 pt auf dem Drucker ausgeben, muss die Buchstabenform ausgerechnet werden und deren geschwungene Linien in ein Punktraster umgerechnet werden. Jeder der schon einmal eine Zeichnung oder ein Logo in verschiedenen Größen angefertigt hat weiß, dass man das nicht einfach durch vergrößern hin bekommt, sondern das das Logo in unterschiedlichen Größen unterschiedlich gut aussieht. Genauso ist das auch mit den Schriften, Raster-Schriften sind in jeder Größe von Hand optimiert, deshalb sind Bildschirm-Schriften oder Matrixdrucker-Schriften meist Raster-Schriften.

Verschiedene Schriftformate TrueType- und Postscript Type 1 Schriften

Nun nähern wir uns einer religiösen Frage: Was ist besser TrueType oder Postscript Type 1?

Die Antwort ist ganz einfach, nichts von beiden! Jedoch gibt es eifrige Fürsprecher beider Schriftformate, die sich auch gern mal unsachlich näher kommen und dabei nur Luftblasen produzieren. Deshalb liefere ich hier hoffentlich keine Kohlen für das eine oder andere lodernde Feuer.

Technisch gesehen sind die Hauptunterschiede dieser beiden skalierbaren Schriftformate, das TrueType-Schriften schneller berechnet werden können als Postscript Type 1-Schriften (mathematisch gesehen!), jedoch eine unkomfortablere Verwaltung von Buchstabeninformation haben. Desweiteren sind ausschließlich Type 1-Schriften verschlüsselbar, die Schnitte der Graphik Designer also schützbar. In Windows-Betriebssystemen ist eine Verwaltung inkl. einem Raster Image Processor für TrueType fest eingebauter Systembestandteil, während man dieses für Type 1-Schriften zusätzlich erwerben muss (Adobe Type Manager).

Da das Postscript Type 1-Format älter ist, auf anderen Plattformen verbreitet ist und es wenige (teure) Fontgestaltungsprogramme für das TrueType-Format gibt, sind TrueType-Fonts meist nur konvertierte Type 1-Fonts, was meist mit geringerer Qualität einhergeht. Weiterhin können Postscript-Drucker Type 1-Fonts direkt verarbeiten (rastern/laden), während TrueType-Fonts entweder durch Druckereigene Postscript-Fonts ersetzt werden oder wie Vektorgraphiken verarbeitet werden, was einen Geschwindigkeitsnachteil bedeutet. Bei modernen PCL-Druckern fällt auch dieser Nachteil von TrueType weg, diese können auch TrueType-Fonts rastern (Printer Control Language, ist eine Druckersprache von Hewlett-Packard).
Da sich die Fontinformationen im TrueType-Format nicht schützen lassen, stellen manche renommierten Schrifthäuser keine TrueType-Fonts her.

Der wichtigste Vorteil von TrueType ist sicher, das es von Microsoft mitgeliefert wird. Wer also oft Dokumente mit anderen Leuten auf diesen Betriebssystemen bearbeitet, ist mit TrueType gut bedient. Wenn man dann noch Wert auf gute TrueType-Schnitte legt, sollte des Typografen Welt eigentlich in Ordnung sein.

Für Type 1-Fonts benötigt man den Adobe Type Manager und sollte mit Postscript-Geräten publizieren.

Es ist hier, wie so oft in der Software-Welt, wenn alle die ich kenne mit dem Schriftformat A arbeiten, kann man sich getrost anschließen. Wenn der produzierte Text ohnehin nicht ausgerichtet wird, ist alles egal!

Eine Lösung für die Schriftformat-Streithähne scheint in Sicht Adobe und Microsoft basteln gerade an einem neuen Schriftformat Namens OpenType, mal schauen.
http://www.microsoft.com/TRUETYPE/OTSPEC/otover.htm
http://www.adobe.com/type/opentype.html

Fonts in Windows ab 95

Die Fontverwaltung in Windows95 hat sich gegenüber Windows 3.1x verändert. Die Fontdateien befinden sich nun in einem speziellen Ordner Windows\Fonts (bzw. entsprechende Verweise) und die TrueType-Fonts benötigen nur noch eine *.TTF-Datei, die Funktionsweise der *.FOT-Datei wurde von der Registrierdatenbank übernommen.

Der Font-Ordner von Wndows95 verhält sich nicht wie ein normaler Ordner. Das heißt, wenn mit dem Windows-Explorer TTF-Dateien hineinkopiert werden, so werden sie installiert. Geschieht das Ganze in einem MS-Dos-Fenster, so wird der Font zwar kopiert jedoch nicht installiert.

Die installierten TrueType-Fonts werden in der Registrierdatenbank unter HKEY_LOCAL_MACHINE\SOFTWARE\Microsoft\Windows\CurrentVersion\Fonts aufgeführt (bitte nicht editieren). Mit dem Registrierungseditor kann auch eine Textdatei mit einer Liste der installierten Schriften erzeugt werden ("Arial (TrueType)"="ARIAL.TTF" über Registrierung|Registrierungsdatei exportieren).

Ich rate dazu sich einen extra Ordner mit den benötigten Fonts anzulegen und mit dessen Hilfe das Windows Font Verzeichnis ab und zu mal aufzuräumen. Da sich die Menge der installierten Schriften meist allmählich erhöht. Bitte nicht allzu großzügig löschen, die Bildschirmschriftarten (*.fon betrifft nur Win 3.1x), die bei Windows95 mitgelieferten TrueTypes (arial*.ttf, cour*.ttf, times*.ttf, symbol.ttf, wingding.ttf) und die Symbolzeichensätze von StarOffice Writer starbats.ttf und StarOffice Math.ttf sollten in Ruhe gelassen werden.

Literatur:

Folgendes sind Buchempfehlungen, wer sich noch stärker für Typografie interessiert, dem schicke ich gerne noch mehr Literaturhinweise.

Duden, Die deutsche Rechtschreibung, Band 1, Ausgabe egal

Hans Peter Willberg, Friedrich Forssman, Erste Hilfe in Typografie. Ratgeber für Gestaltung und Umgang mit Schrift. ISBN: 3874394743

Jürgen Gulbins, Christine Kahrmann, Mut zur Typographie. Ein Kurs für Desktop-Publishing. ISBN: 3540675418

Autor: Werner Roth Original liegt auf http://www.wernerroth.de/staroffice/dokus

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